Bush Fire Top Line
- Feuerwehr Magazin 7/2000 S.51-53
In einen Wassernebel gehüllt kommt er aus dem
Busch, schießt Wasserfontänen nach rechts und links - mit dem Tanklöschanhänger
will Alfons Koopmann Waldbränden zu Leibe rücken. Er soll auch dort noch
eingesetzt werden, wo Löschfahrzeuge stecken bleiben.
Am 14. November 1997 stürzt ein zweimotoriges
Flugzeug beim Landeanflug auf den Erfurter Verkehrsflughafen auf einen Acker und
brennt aus. Alle vier Insassen, die Geschäftsführung der größten Schweizer
Fensterbaufirma, kommen dabei ums Leben. Ganz in der Nähe warten
Geschäftspartner aus Deutschland vergeblich auf die Schweizer - unter ihnen auch
Alfons Koopmann aus Markhausen (Niedersachsen, Landkreis Cloppenburg).
"Dieser Flugunfall brachte mich auf die Idee,
einen Löschanhänger zu bauen", erzählt er. Damals war die Feuerwehr lange Zeit
nicht an den Brandherd herangekommen, weil die Fahrzeuge auf dem nassen Acker
einfach stecken blieben. Koopmann überlegte, wie er Wasser und Ausrüstung auf
einen geländegängigen Anhänger verladen könnte, der von jedem beliebigen
Zugfahrzeug an die Einsatzstelle gebracht werden kann.
Sechs Tonnen Wasser auf Rädern
Heute, drei Jahre später, steht ein zehn Tonnen
schweres grünes Ungetüm auf dem Hof. "Zwei Jahre haben wir daran gebaut",
erzählt der Geschäftsführer einer Fensterbaufirma. "Wir", das sind Koopmann und
Stefan Hillen aus Augustendorf. In dessen Betrieb entstand der Prototyp.
Aus verzinktem Stahlblech wurde auf einer
Pendelachse der Rahmen gebaut, darauf wurden der 6000 Liter fassende Wassertank
und die Aggregate montiert. Eine Ziegler FP 16/8 fördert das Wasser zu den
Verbrauchern: einer IFEX Dual Intruder Kanone mit zwei je 15 Liter fassenden
Rohren, einem IFEX 1-Liter-Intruder, einem Wasserwerfer und einem
Schnellangriff. Außerdem sorgt die Pumpe für die Versorgung der
Selbstschutzanlage, bestehend aus sechs Regnern, wie sie im Gartenbau verwendet
werden, und den Sprühdüsen über den Rädern. 1000 Liter Wasser sind für diese
Selbstschutzanlage vorgesehen und werden nicht zum Löschen verwendet (über ein
Ventil werden sie erst bei Bedarf der Pumpe zugeführt).
Die Druckluft für die IFEX-Löschanlage liefert
ein Kaeser-Kompressor mit einer Leistung von 35 bar und 1600 l/min, wie die
Pumpe angetrieben über einen Ölmotor und Hydraulikleitungen. Darüber werden auch
die beiden Haspeln für die Schnellangriffe gedreht.
Angetrieben wird der Ölmotor über die Zapfwelle
des Zugfahrzeuges, ein Eicher-Traktor mit 80 PS. 540 Umdrehungen der Welle pro
Minute reichen aus. Normalerweise dient sie für Anbaugeräte für den Traktor.
Geplant ist für die nächsten Anhänger ein eigener Dieselmotor mit 66 PS, der
über ein Getriebe dann Pumpe und Kompressor direkt antreiben soll. Vorteil: Der
Anhänger kann völlig unabhängig von einem Zugfahrzeug eingesetzt, also auch von
einer Planierraupe oder einem Bergepanzer gezogen werden. Jetzt ist immer noch
ein Fahrzeug mit Zapfwelle und Druckluftanlage für die Bremsen erforderlich (zum
Beispiel Traktor oder Unimog).
Zugeführt wird das Wasser über drei
A-Saugeingänge und zwei B-Zugänge. Außerdem kann der Tank auch über ein Mannloch
aus einem Außenlastbehälter für Hubschrauber befüllt werden. Vier B-Abgänge
stehen zudem zur Wasserabgabe zur Verfügung. Zur Ausrüstung gehören daher auch
Druckschläuche, Saugschläuche, Strahlrohre, ein Hydroschild, eine Löschlanze
sowie eine Schaumausrüstung.
Dank der Luftdruckbremse ist eine
Höchstgeschwindigkeit des Anhängers von 80 km/h möglich. An einer
Anhängerkupplung mit 18 Tonnen Zugkraft kann ein weiterer Tankanhänger
angekuppelt werden, der den Wasservorrat des Gespanns weiter erhöht.
Goldmedaille auf der Erfindermesse
Mit seinem Feuerlöschanhänger nahm Koopmann auch
an einem Erfinderkongress in Genf teil - und fuhr mit zwei Preisen wieder nach
Hause: einer Auszeichnung des Deutschen Erfinderverbandes sowie einer
Goldmedaille des Salon International des Inventions Geneve.
Das mit drei Mann voll einsatzfähige Gespann soll
nach Plänen von Koopmann jedoch nicht nur für die Waldbrandbekämpfung Verwendung
finden. Er kann sich auch Einsätze im Werkschutz, beim Bewässern von
Grünflächen, Belüften von Gewässern und ähnlichem vorstellen. Der Prototyp würde
in der hier gezeigten Ausstattung rund 350 000 Mark kosten. In einer
abgespeckten Version wird der Anhänger natürlich billiger.
- Feuerwehr Magazin 7/2000 S.51-53